Denis Matsuev

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"Russische Wucht. Das Orchestre National du Capitole de Toulouse in Zürich" review

Thomas Schacher, "Neue Zürcher Zeitung"

October, 28, 2011


Die Ausgangslage war spannend: ein französisches Orchester, sein Chefdirigent, der in St. Petersburg studiert hat, ein Solist, der den ersten Preis beim Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau gewonnen hat, und ein Programm, das ganz dem russischen Komponisten Sergei Rachmaninow gewidmet war. Das Orchestre National du Capitole de Toulouse war also an diesem Konzertabend der «Meisterinterpreten» in der Tonhalle Zürich mit dem Dirigenten Tugan Sokhiev und dem Pianisten Denis Matsuev fest in russischen Händen. Als Resultat dieses Nationenwettstreits schaute ein klarer Sieg für das Russische heraus.

Matsuev erfüllt sämtliche Klischees, die man mit einem russischen Tastenlöwen verbindet: Er ist technisch mit allen Wassern gewaschen und fühlt sich erst dann richtig in seinem Element, wenn es möglichst schnell und laut zugeht. Rachmaninows zweites Klavierkonzert bildet dafür ein ideales Tummelfeld. Betreffend Virtuosität und Kraftaufwand blieben da keine Wünsche offen. Allein, dieses Konzert weist auch intime Seiten auf, beispielsweise im Adagio, und hier wollte sich lange Zeit keine Ruhe einstellen; erst bei der Reprise gelang dies, als das in den Violinen wiederkehrende Thema von Arpeggien des Klaviers begleitet wurde.

Auch der Dirigent forcierte die wuchtigen Aspekte dieser Komposition und liess das Orchester immer wieder mächtig aufdrehen. Am Schluss des Finales ging da sogar der Solist, obwohl er sich auf seinen Tasten wie ein Herkules gebärdete, in den Klangwogen des Orchesters unter.

Ein differenzierteres Bild boten Rachmaninows Sinfonische Tänze op. 45, das letzte sinfonische Werk des Komponisten, in dem er sich mit drei Stationen des menschlichen Lebens auseinandersetzt. Hier zeigte Tugan Sokhiev plötzlich viel Gespür für ganz unterschiedliche Stimmungen: Ungebrochene russische Sinfonie-Tradition drang im ersten Satz aus dem Orchester, ein Walzer mit schrägen und ironischen Elementen war im Mittelsatz zu hören. Und im Schlusssatz läuteten die Röhrenglocken einen Totentanz ein, der nach einem «Dies irae»-Zitat im Blech tosend zu Ende ging.

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